Donnerstag, 3. Oktober 2019

Wind der Wende - Gedanken und mehr zum Tag der Deutschen Einheit im 30. Jahr des Mauerfalls

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Heute am 3. Oktober feiern wir den Tag der Deutschen Einheit.
Für meine Kinder ist das geeinte Deutschland eine Selbstverständlichkeit, haben sie doch nichts anderes erlebt.


Wir Erwachsenen hingegen sind echte Kinder der Grenze. Erst war sie da. Ganz nah bei uns zwischen dem Untereichsfeld hier im Westen und dem Obereichsfeld auf der (von uns aus gesehenen) anderen Seite.

Und als sie weg war, existierte sie dennoch weiter in den Köpfen. Ich weiß gar nicht, ob sie in meiner Generation jemals ganz verschwinden wird, aber sie verschwimmt zumindest und verblasst wenigstens etwas.

Die Schicksale meiner Familie sind, wie die so vieler untrennbar mit der Grenze zwischen Ost und West verbunden.

Meine Oma war "von" Bösekendorf, wie sie sagte. Wir würden heute sagen, sie stammte aus Bösekendorf.
Ihr Vater war dort der Bürgermeister und als sie meinen Opa heiratete, musste sie ihr ganzes Hab und Gut auf einem Wagen nach drüben in den Westen schmuggeln. Unter Decken. Und Heu. Und einer Ladung Mist.

Nichts im Vergleich zu der Nacht- und Nebel-Aktion, bei der ihre Brüder einige Jahre später zusammen mit ihren und einigen anderen Familien in den Westen geflüchtet sind. Darüber gibt es sogar einen Spielfilm und mehrere Dokumentationen.

Meine Oma war immer etwas traurig, dass sie nicht mal mehr auch nur für einen Tag nach Hause zurück konnte. Und als Grundschulkind konnte ich das so gar nicht verstehen.

"Warum fährst du nicht einfach?" Schließlich war ihr Heimatdorf nur ein paar wenige Kilometer von uns entfernt.

Sie erklärte mir die Sache mit dem Spergebiet im grenznahen Bereich. Ich konnte es trotzdem nicht verstehen.

Mit dem Ballon in die Freiheit

Vor dreißig Jahren dann, ich war gerade mal ungefähr so alt, wie meine Tochter jetzt, bekamen wir abends in Herbst im Dunklen unerwartet Besuch.

Die Bösekendorfer kamen. Die Mauer war am 9.11.1989 gefallen, die Grenze geöffnet worden und von all dem hatte ich bis zu dem Zeitpunkt nichts mitbekommen.

Dann kam die große Wende. Die Kleinstadt Duderstadt mitten in Deutschland wurde von jetzt auf nun für einige Wochen zur Metropole.

In der Fußgängerzone wimmelte es und die Läden waren ständig ausverkauft.
Man wusste nicht, wie man die sonst so leeren Fahrbahnen überqueren sollte und Trabbi hinter Trabbi schob sich gen Westen.

Wind of Change von den Scorpions war der Hit, den ich damit verbinde, den damals dieser süße Junge mit seinen Freunden als Playback auf der Weihnachtsfeier in der Schulaula zum besten gegeben hat.

Heute erinnert an all das noch das Grenzland Museum direkt an der Innerdeutschen Grenze zwischen Gerblingerode und Teistungen.

Wir fahren da immer zum Schwimmen. Manchmal fragen die pamelopee-Kinder nach und hören gerne die "Geschichten" von früher.
...

30 Jahre Mauerfall - Im Verlag Ravensburger ist passend dazu das Kinderbuch "Mit dem Ballon in die Freiheit" erschienen.


Die Geschichte von Peter, der mit seiner Familie die Flucht in den Westen wagt, spielt etwas weiter südlich. Genauer gesagt zwischen Oberlemnitz und Naila.

Mit dem Ballon in die Freiheit

Sie ist spannend und aufregend aber ich finde es auch ein bisschen traurig, weil sie so lebensnah erzählt ist.

Mein Sechsjähriger hat mir das Bilderbuch förmlich aus den Händen gerissen. Ich glaube er war dankbar, da er nun für all das, wovon wir hier immer wieder mal reden und erzählen kindgerechte Bilder serviert bekommt. Die hat übrigens Bestseller-Illustrator Torben Kuhlmann gemalt.

Klappentext von "Mit dem Ballon in die Freiheit"

Den Text dazu hat Kristen Fulton geschrieben und Jakob Hein hat ihn übersetzt.
Spannenderweise ist das Buch nämlich erstmals in San Francisco, California in englischer Sprache erschienen.

Die Geschichte von Peter Wetzel ist wahr. Aus Augen eines "Westkindes" betrachtet, macht das Gänsehaut. Und ich muss an Oma denken.

Oma, die meine Kinder doch noch so gern kennengelernt hätte.

Der Sechsjährige ist schon vor zwei Monaten sieben geworden. Und viele Bücher und Spiele, welche auf dem Geschenketisch für die Kinder lagen, handeln von Deutschland. Vom einen Deutschland.

Seite aus dem Ravensburger Buch Deutschland

Die Neunjährige lernt gerade in der Schule die Bundesländer. Anders als bei uns damals, unterscheidet man nicht mehr zwischen neuen und alten.

Der Mini puzzelt ganz selbstbewusst sein 100-Teile Ravensburger Puzzle tiptoi Puzzlen, Entdecken, Erleben: Deutschland mit der Deutschland-Karte für Kinder zusammen. "Ganz allein!", wie er stolz berichtet.


Wenn er fertig ist, darf er sein zusammengesetztes Deutschland mit dem tiptoi-Stift erkunden.

Toll, was da noch so als für uns unsichtbare Geheimbotschaft alles auf dem Puzzle aufgedruckt ist. Diesen Geheimcode kann nur der orange tiptoi Stift entschlüsseln.

Den gab es übrigens noch nicht. Damals vor 30 Jahren, als die Mauer gefallen ist. - Auch so etwas, was sich Lotte und Mini heute nur schwer vorstellen können.

Einen schönen Feiertag wünscht euch
Pamela

P.S.: Macht doch auch mit bei Spuchtober!

Kommentare:

  1. Ich bin aus dem Osten und kann mich noch gut an meine Kindheit in der DDR erinnern, es war nicht alles schlecht damals. LG Romy

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    1. Ganz bestimmt sogar nicht. Aber nicht einfach wieder nach Hause oder zu den Lieben zu können, war für viele meiner Verwandten schon ein Problem. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass hier in Grenznähe wirklich viele Familien wirklich jahrzehntelang voneinander getrennt wurden. Das muss man sich mal vorstellen.
      Ganz liebe Grüße
      Pamela

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  2. Da werden Erinnerungen wach. Was war das damals für eine Zeit - alles war plötzlich anders und aufregend.
    Das Buch hört sich nach einer tollen Geschenkidee an. Ich weiß auch schon für wen. Toller Bericht und genau passend. LG

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    1. Dankeschön, freut mich, wenn dir mein Blogbeitrag gefällt!
      Oh ja, das war in der Tat eine mega aufregende Zeit. Weltgeschichte. Und wir mittendrin.
      Komm gut ins Wochenende!
      Pamela

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  3. Kindgerecht in die Geschichte hinnein geführt,das ist Ravensburger gut gelungen. Da ich ein großer Fan von Tiptoi-Stift bin,einfach toll, gehört in die Grundausstattung der Kid's

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    1. Ja, oder!? Finde ich auch. Wir haben da mit dem Stift auch schon mehrere unserer Patenkinder ausgestattet. Und im Laufe der Jahre sammeln sich auch immer mehr Bücher, Puzzle und Spiele dazu an. Da haben wir alle Spaß daran.
      Ganz liebe Grüße
      Pamela

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  4. Ich bin ein klassisches Wendekind. Wir hatten am Donnerstag im Geschichtsunterricht die Mauer aufgebaut. Nur einen Tag später viel sie. Ich war damals 15 Jahre alt und wie alle meiner Generation total überfordert, weil wir nicht mehr wusste wem oder was wir glauben sollten. Ich finde dieses Ost West denken immer noch anstrengend bis nervig. Es denkt doch auch keiner Nord Süd. Jedes mal wenn jemand mit dem Wort Ossi oder Wessi um die Ecke kommt frage ich immer was das ist. Ich bekomme dann meist eine lange Erklärung zu hören. Wenn die Person fertig ist Frage ich dann immer noch mal nach: Und was ist das wenn ein ein Ossi und ein Wessi ein Kind bekommen? Dann fehlen den meisten die Worte bzw sie merken erst jetzt wie sehr mich ihre Vorurteile nerven.
    Ich finde in meiner Generation ist diese Mauer im Kopf nur noch klitzeklein. Wir waren damals viel zu Neugier auf ein andern und auch toleranter als unsere Eltern und Großeltern. Meine Freunde kommen sowohl aus dem Osten als auch den Westen. Nur eine Frage stellt sich mir gerade würde ich heute meinen Blog schreiben wenn die Wende wohl nicht gekommen wäre? Wohl eher nicht.

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    1. Also ich fühle mich schon sehr als Norddeutsche. Wir sprechen hier auch vom Süden, wenn wir Bayern oder Baden-Württemberg meinen.
      Ich überlege gerade echt, ob wir je Ossi oder Wessi gesagt haben. ... Ist wie gesagt sehr schwierig, wenn die eigene Familie dich so sehr gemischt ist. Bin quasi die Tochter von einem "Wossi" ;-)
      Tatsächlich glaube ich, dass diese klitzekleine Restmauer NUR in unserer Generation existiert.
      Meine Oma war wie gesagt, viel zu nah dran. Für sie war es wirklich eine Grenze u d nachher war sie zum Glück weg. Und unsere Kinder sind mit der Einheit wieder genauso aufgewachsen wie sie damals vor hundert Jahren. Und wow, ihre Kindheit ist wirklich schön hundert Jahre her.
      Komm gut durch die zweite Wochenhälfte
      Pamela

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Ich freue mich immer sehr über eure lieben Kommentare und versuche so viele wie möglich davon zu beantworten.
Auch wenn das nicht immer klappt, lese ich ganz bestimmt jeden einzelnen mit Freude, denn jedes liebe Wort von euch ist mir wichtig!
♥Alles Liebe, eure pamelopee! ♥

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